Sinn und Unsinn von Reibechtheiten bei Möbelleder.

Reibechtheiten sollen eine Sicherheit vermitteln dass die Leder beim Einsatz nicht abfärben oder sogar die Farbe sich ablöst. Das ist sinnvoll, den ein Möbelstück welches abfärbt führt zur Reklamation. Die Frage ist nur wie reibecht muss so ein Möbelleder wirklich sein?

In den letzten Jahren gibt es einen Trend zu immer reibechteren Ledertypen. Dieser Trend begann vor vielen Jahren in der Autoindustrie. Historisch haben wir unsere Leder mit einem organischen System zugerichtet. Diese organischen Systeme waren von Haus aus sehr viel Wasserechter als die heutigen Bindersysteme. Ausserdem gab es einen wichtigen Unterschied, die Schichtdicke, die bei organischen Systemen viel dünner war als bei den heute verwendeten wässrigen Systemen. Das hatte zur Folge dass selbt gut gedeckte und ausgerüstete Leder immer noch elegant waren.

Letztlich hatte ich das Vergnügen wieder mal so ein Leder, organisch zugerichtet, in der Hand zu halten und es war wirklich schön. Man hat es schon vergessen, insbesondere meine Generation Ledertechniker kennt diese organischen Systeme nicht mehr so gut, da zu unserer Zeit die wässrigen Systeme aufkamen. Eine meiner ersten Aufgaben in Betrieben war immer das organische System auf ein wässriges umzustellen. Man hat sich mit den organischen Systemen nicht mehr beschäftigt. Interessanterweise gibt es doch wieder einige Betriebe die diese Technologie aufgreifen. Mit modernen Rollercoatern kann man sehr schöne organische Zurichtungen herstellen ohne die Abluft zu stark zu belasten.

Grundsätzlich muss sich die Lederindustrie fragen ob der Trend zu immer mehr Echtheiten, der sich auch im Möbelbereich durchsetzt, wirklich Sinn macht denn diese Ledertypen sind nicht mehr elegant und haben einen plastikartigen Griff. Das kommt von den Schichtdicken und Vernetzern die für die Anforderungen benötigt werden und die zu harten Filmen führen. Ob die Endverbraucher das belohnen werden wenn Leder immer vergleichbarer wird mit Kunstmaterialien? Ich bezweifle das und bitte hiermit die Branche sich darüber mal Gedanken zu machen. Wir gehen in die falsche Richtung. Leder muss wieder Leder werden.

Lipasen wirken nach der Entkälkung besonderst gut.

Lipasen können in der Entkälkung/Beize Netzmittel ganz ersetzen. Am besten wirken sie wenn man sie nach der Entkälkung ca 20 Min laufen lässt und anschliessend die Beizeizyme zusetzt. Sie entfernen das naturfett und die Beizproteasen können besser in die Haut eindringen. Häufig werden Lipasen als Weichhilfsmittel angeboten was aber gefährlich ist da sie dort zu viel Fett auf der Fleischseite vorfinden welches dann in der Flotte zu Problemen führen kann. Führende gerbereien haben bereits den Einsatz von Lipasen in diesem Arbeitsschritt in Frage gestellt. Nach der Entkälkung jedoch sind die Häute gespalten und die Lipase kann dort wirken wo wir es brauchen. Bei Rückfragen zu dieser neuen umweltfreundlichen Technologie stehe ich zur Verfügung.

Massgewinne durch Elastinasen

Durch neuartige Enzymatische Hilfsmittel ist es gelungen auf Schuhnappa einen Massgewinn von 8,5% im Gegensatz zu einem Verlust von mehr als 3% bei herkömmlicher Arbeitsweise zu erzielen. Ausserdem wiesen die Leder ein deutlich gleichmässigeren Narbenbruch nach dem Millen auf und sie waren weicher. In den darauf folgenden Grossversuchen wurden Massgewinne von 5,5% festgestellt.  Das ist immer noch deutlich mehr als der normale Verlust von 2-3% die dieser Kunde hat. Im Bereich festes Schuhoberleder wurden geringere Massgewinne erzielt da die Nachgerbung viel stärker war. Trotzdem konnten auch hier Massgewinne verzeichnet werden.

Das Hauptenzym ist eine Elastin abbauende Protease und eine saure Lipase die zusammen einen synergistischen Effekt hervorrufen. Das Elastin kann im chromgegerbten Leder entfernt werden ohne dabei losnarbig zu werden. Dies ist möglich, weil das Kollagen, welches nicht angegriffen wird, durch die Chromgerbung stabilisiert wurde. Der Einsatz erfolgt ohne grosse Änderungen der Standard Rezeptur. Die Lipase lässt man in einem Waschbad vorlaufen und die Protease wird mit dem Bikarbonat in der Neutralisation eingesetzt. Falls Interesse besteht diese Produkte zu testen können Sie sich mit mir in Verbindung setzen.

Direktverfahren für Möbelleder!

Eine  Zurichtfirma hat ein neues Direktverfahren für die Möbellederzurichtung  entwickelt. Es ist sehr einfach anzuwenden. Man benötigt einen modernen Reverse Rollercoater und eine herkömmliche Spritzmaschine mit mindestens zwei Spritzkabinen in Reihe.  Eine gute ausreichende Trocknung ist natürlich Voraussetzung. Geprägt wird am Schluss bei 100 Grad C im Durchlaufverfahren.  Nur noch Millen, Stollen fertig. Einfacher geht es nicht mehr. Bei Interessen kann ich behilflich sein.

Neuartige Enzyme führen zu gleichmässiger Fehleranfärbung!

Ungleichmässige Färbungen sind bei Anilinleder ein echtes Problem. Meistens ist das nicht sachgemäss entfernte Naturfett daran schuld. In der Wetblue Herstellung wird oft gespart und herkömmliche Entfettungsverfahren sind nur zum Teil erfolgreich. Aber auch das Elastin welches sich verstärkt in den Vernarbungen einlagert führt zu einer anderen Färbbarkeit. Wenn man saure Lipasen in Kombination mit sauren Elastinasen richtig anwendet bekommt man eine viel gleichmässigere Färbung und insbesondere Fehleranfärbung. Das Naturfett wird durch einen sehr einfachen Waschprozess nach dem Falzen entfernt und das Elastin wird durch den Einsatz von Elastinasen in der Neutralisation entfernt. Der Effekt auf dem Leder ist verblüffend. Sobald ich Bilder habe werde ich diese veröffentlichen. Übrigens, in manchen Fällen wurde ein netter Nebeneffekt festgestellt, die Leder hatten ein grösseres Mass den Elastin wirkt wie Gummi und zieht die Haut zusammen. Wenn man es entfernt, dann entkrampft sich die Haut und die Leder werden grösser.

Neuer Lack für eleganten Kuppenglanz

2004-az-1849-21Die Herstellung von modernen weichen “italienischen” Möbelledern ist nicht einfach. Immer wieder fragen Gerber: “Wie machen die es nur?” Dabei ist es so einfach.

Bei der Grundierung weicher Möbelledertypen muss man besonderst auf den Binder achten, nimmt man zu harte Binder, dann vermillen sich die Leder nicht sehr schön. Die chemische Industrie hat sich in den letzten Jahren sehr auf “High Performance” Binder konzentriert die im Automobilbereich eingesetzt werden können. Daher sind die meisten herkömmlichen Binder, die am Markt erhältlich sind, eigentlich nicht für Möbelleder geeignet da zu hart und meist zu teuer. Oftmals werden teure Polyurethane als notwendig verkauft.

Nimmt man aber den falschen preiswerten weichen Binder, lassen die sich meist nicht gut prägen und nach dem Millen ist die Prägung nicht mehr zu sehen. Diese Produkte neigen auch sehr zum Kleben. Die Echtheiten sind grenzwertig oder sogar schlecht. Was soll man als Zurichter machen? Es bedarf sehr viel Knowhow und Zeit sowie viele Versuche um den richtigen Binder zu finden der sich auch prägen lässt und trotzdem nicht klebt und sich schön vermillt. Die meisten Zurichter haben diese Zeit nicht. Deshalb haben sich spezialisierte Firmen etabliert die dieses Knowhow in ihr Produkten einbauen. Stand der Technik sind heute clevere, innovative Fertigprodukte die “out of the box” nur noch mit Pigment und Wasser vermischt werden müssen um sie einsetzen zu können. Ich würde heute nichts anderes mehr benutzen.

In den letzten Jahren ist auch der Kuppenglanz, der sich durch einen “zwei Ton Effekt” mit einem glänzenderen Gipfel des Millkornes und einem matteren Tal auszeichnet, immer mehr in Mode gekommen. das ist verständlich den diese Leder mit Kuppenglanz sind optisch schöner und natürlicher. Für diesen Effekt gibt es einen neuen Lack aus Italien. Das Produkt ist sehr einfach anzuwenden und muss nur noch nach der Viskositätseinstellung vernetzt werden. Optimal ist es wenn die Spritzanlage eine Inline Vernetzungsanlage hat. Der Kuppenglanz kommt nach einigen Stunden Schlussmillen. Die Stärke kann durch die Dauer des Millvorganges gesteuert werden. Der Kuppenglanz verleiht auch dem stark zugerichteten Leder eine natürliche Oberfläche.

Bei Rückfragen zu der Möbelledertechnologie stehe ich zur Verfügung. Ich freue mich auch auf Kommentare und konstruktive Kritik.

Qualitätsleder ohne Netzmittel sind möglich.

Ohne Lipase im ÄscherNaturfett ist eine der grössten Barrieren für Chemikalien in der Lederherstellung. Oft wundert man sich dass die Leder von Partie zu Partie, oder sogar innerhalb der Partie ungleichmässig weich oder unegal gefärbt sind.

Diese Probleme kann man nun mit einem neuen umweltfreundlichen Biotechnologischen Entfettungsverfahren beseitigen. Gerber die diese neuartige Technologie einsetzen haben gleichmässigere Leder, gleichmässigere Färbungen und eine Sortimentsverbesserung.

Diese Technologie kann auch zur Entfettung von Kleintierfellen und Schweinshäuten sehr erfolgreich eingesetzt werden.  In Pakistan wird diese Technologie bereits erfolgreich auf Kleintierfellen (Schaf) eingesetzt und man erreicht einen Fettgehalt von unter 1,5% ohne die Umwelschädliche Petroleum Entfettung oder noch schlimmer die giftige Maschinenentfettung zu machen. Der Tensideinsatz wird auf ein Minimum reduziert.Lipasen in der Wasserwerkstatt

Auf dem oben gezeigten Bild kann man sehr schön sehen wie das Naturfett in der Äscherflotte herumschwimmt, trotz dem Einsatz von Tensiden zur Entfettung. Diese holen aber das Naturfett nur heraus und lassen die Fettmoleküle intakt. Bei dem Bild rechts sieht man sehr schön wie das Naturfett in der Flotte durch das Enzym emulgierbar gemacht worden ist und die Flotte eine Emulsion geworden ist. Nun stört das fett nicht mehr und kann einfach mit Wasser herausgespült werden. Angst dass es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommt, zBsp. den Abbau von Kollagen, sind unbegründet. Die modernen Lipasen sind sehr rein aber daher leider auch nicht ganz billig. Der Gerber muss abwägen ob die Kosten den Nutzen rechtfertigen. Ich glaube eindeutig JA!!

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Ledertechnik Blog endlich online!

2004-az-1849-031Hallo Welt. Dies ist mein neuer Ledertechnik Blog. Ein Blog für Ledertechnologen, Chemiker und Interessierte über Ledertechnologie, Chemie und Biotechnologie in der Lederindustrie. Es ist mein erster Blog über Lederthemen so zu sagen. Ich werde hier über aktuelle Themen aus der Lederbranche und insbesondere über neue Technologien berichten. Ich hoffe auf eine lebhafte Diskussion mit meinen Lesern. Konstruktive Kritik ist erwünscht. Ich freue mich auf das Bloggen. Es ist für mich ein recht neues Medium und ich hoffe den Erwartungen meiner Leser gerecht zu werden. Ach ja, unsere Branche ist sehr globalisiert, trotzdem werde ich hier auf Deutsch schreiben. Eventuell wird es in Zukunft noch einen Englischen Blog geben. Das hängt davon ab wie der Zuspruch ist.